Endlich mal ein Buch, bei dem ich vom Lesen schon stärker werde.

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Dave MacLeod bringt es auf den Punkt:

9 von 10 Kletterern machen die gleichen Fehler.

Ich behaupte: 8 von 10 Kletterern wissen nichts davon.

Aber 10 von 10 Kletterern profitieren, wenn MacLeod’s Hinweise umgesetzt werden. Egal, wie professionell das Niveau ist – oder eben nicht.

 Was für ein Cover =D

Was für ein Cover =D

Dave MacLeod hat uns alle durchschaut… Wer ein bisschen was von Klettertraining versteht, kann auf alle Fälle viel von ihm lernen. Der Autor beschreibt in einfachen Worten, wie man Großes erreicht. Die Strategien dazu sind simpel und logisch beschrieben. Dennoch schadet es nicht, wenn man sich bereits etwas intensiver mit der eigenen Leistungsniveau im Klettern beschäftigt hat, damit man MacLeods Hinweise direkt auf die eigene Person anpassen kann.

Wir fokussieren falsch

MacLeod ist endlich mal einer, der nicht immer nur sagt, was man alles zusätzlich tun sollte, um besser zu werden. Der nicht sagt, dass wir uns sechs Mal in der Woche in der Halle platt machen müssen. Sondern er ist einer, der bei dem anknüpft, was wir bereits haben sollten, beispielsweise  hinsichtlich Klettertechnik oder Belastungsumfang.

Ein einfaches Beispiel aus dem Ausdauertraining soll erklären, was ich meine: In der gängigen Literatur wird häufig eine ergänzende Laufeinheit pro Woche empfohlen, um die Grundlagenausdauer im Klettern zu verbessern. Das stimmt zwar, allerdings muss man auch beim Lauftraining ganz gezielt den Puls und die Intensität im Auge behalten, wenn man die Laufeinheit fürs Klettertraining wirksam gestalten will.
Weiters – und das ist der wichtigere Punkt – ist eine Laufeinheit  vor allem für diejenigen sinnvoll, die schon das Meiste aus ihrem Klettertraining herausholen. In Bezug auf Breitensportler ist dies meist nicht der Fall.
Die meisten Kletterer haben nämlich noch viel Potenzial, die Anzahl der Klettermeter zu erhöhen, um ihre Grundlagenausdauer zu verbessern. Also lieber einen Tag mehr Routen spulen, als eine gesonderte Laufeinheit einplanen. Das Ausdauertraining ist somit spezifischer, trainiert die richtigen Muskelgruppen und schult das Bewegungsrepertoir.
Selbiges gilt für verschiedenste spezifische Kraftübungen. Gerade ambitionierte Anfänger sollten zu Beginn kletternd trainieren, bevor sie auf Campusboard oder Fingerbrett umsteigen. Ein großes Bewegungsreporteoir ist wichtiger, als Fingerstrom ohne Ende.

Auch gibt MacLeod Hinweise, wie man sein Training gestalten kann, wenn man beipspielsweise wenig Zeit hat, oder weiter weg wohnt von einer Halle usw.

Den Kopf im Visier

Einen wesentlicher Teil des Inhalts bezieht sich auf unsere mentale & geisitge Leistungsfähigkeit, sprich unsere Psyche, Einstellung, unsere Art zu Denken und unsere Motivation. Wie schon Güllich sagte, so weiß auch MacLeod: Der Kopf ist unser stärkster Muskel. Wir können körperlich noch so starke Maschinen sein, wenn wir Panik bekommen bevor wir ins Projekt einsteigen, dann werden wir es  eher nicht durchsteigen.

Doch wie überwindet man mentale Blockaden?
Hierzu ein Beispiel aus dem Buch zum Thema „Was denken die anderen über uns?“. Dieses Beispiel habe ich nicht aus einer Laune heraus gewählt, sondern da es mir schon sehr oft in der Praxis begegnet ist.

Kennt ihr es, dass es euch peinlich ist, vor anderen – vielleicht stärkeren Kletterern – zu klettern, oder bouldern?

Wer das mit JA beantworten kann, der kennt es vielleicht auch, dass man sich gezielt aus diesen Situationen zurückzieht. Menschen, die sich von solchen Situationen betroffen zeigen, werden es vermeiden, vor den anderen zu stürzen, und immer ganz bedacht auf „Zu!“ appellieren oder kontrolliert vom Boulder abspringen. (Hauptsache die anderen Denken, man hätte alles unter Kontrolle). Und wir werden immer irgendwelche Ausreden parat haben, damit wir keine Schwächen zeigen: „Die Haut ist zu dünn“, „Es ist zu heiß“, „Ich habe gestern zu hart trainiert“, bla bla bla.

MacLeod sieht nur eine Chance, diese Situationen nicht zur Gewohnheit werden zu lassen bzw. zu überwinden: Nämlich gezielt Situationen aufzusuchen, in denen man mit dem Todfeind „Peinlichkeit“ in Berührung kommt. Stürzen wir gezielt dann, wenn wir uns eigentlich Peinlich berührt fühlten, dann tricksen wir das Schamgefühl aus – denn wir haben es ja so gewollt. Zwar werden wir uns zu Beginn unwohl damit fühlen, doch mit der Zeit erfahren wir, dass es absolut nicht peinlich ist, und keiner die Situation beurteilt. Wir gewöhnen uns ab immer „ZU!“ zu sagen und deshalb immer nur halbfokussiert und halbstark zu klettern.

Tausende solche Beispiele aus der realen Kletterpraxis sind in “9 von 10 Kletterer machen dieselben Fehler” super beschrieben. Wirklich ein spitze Buch von MacLeod, das ich allen empfehlen möchte!

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