Interlaken: Sportklettern im Schatten des Eigers

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Ganz kurz nach meiner Rückkehr aus Südafrika ging es weiter nach Interlaken (Gott lobe die lange Ferienzeit einer Lehrperson).

Genossen haben wir zwar nur den Blick auf den Eiger, aber für Bigwall Adventure fehlt nach 2 Monaten Bouldern dann ehrlicherweise die Substanz. Dennoch: Eiger, Jungfrau und Mönch - wie die drei Gipfel heißen - thronen über der ganzen Region und sehnsüchtig wünscht man sich mehr Stamina herbei.

Aber ja, wenn einen die Realität wieder eingeholt hat, kann man sich gemütlich den Sportkletterrouten der Umgebung widmen. Wobei gemütlich ja immer relativ ist. Ganz so angenehm ist es nämlich nicht, mit gepumpten Unterarmen am dritten Bolt zu stehen und genau zu wissen, dass man jetzt für diese eine Route mehr Meter hinter sich bringen muss, als beim Bouldern an einem ganzen Tag. Und wenn da dieser Pump nicht wäre…

Pumpig ist es aber nicht nur für mich, jetzt als Boulderin. Sondern auch für die Seilkletterer und -kletterinnen unserer Sqad. Dass Sportklettern hier ist nämlich ganz schön anders als das, was wir gewohnt sind. Zumindest hier…

…IN LEHN.

Dieses Gebiet ist deshalb so besonders, weil an Sandsteinkalk geklettert wird und solchen Fels findet man bei uns nun mal nicht hinter jeder Ecke. Beim Klettern äußert sich das dadurch, dass die Griffe mal rund - und mal … rund sind. Im Grunde gibt es zwar Aufleger und Leisten - aber rund sind Aufleger so oder so und die Leisten dazu auch noch, genauso wie die Tritte.

Was habe ich gelitten, als ich mich zum Aufwärmen die 6c hochquälte. Genauso wie in der 7a, der 7b und der 6b danach. The pump is real! Je mehr mich das Gebiet gefordert hat, umso cooler fand ich es aber auch, weil es sowas in meiner Heimat weit und breit nicht hat. Technisch sehr anspruchsvoll für jemanden, der hauptsächlich Leisten ballern kann.

 
 

NEUHAUS

Neuhaus ist quasi der kleine Abklatsch von Lehn. Geparkt wird am selben Parkplatz und man läuft dann etwas länger flach dem Berg entlang und etwas weniger steil zur Wand hinauf.

Auch die Schwierigkeitsgrade sind hauptsächlich im 6. und 7. Franzosengrad angesiedelt, was heißt: Hier ist dementsprechend etwas mehr los und es verteilt sich nicht so gut, wie in Lehn, denn Lehn ist - das hab ich vorher vergessen zu schreiben - eine richtig lange Wand mit hunderten Routen (bis zu 800).

Zurück zu Neuhaus. Der Fels ist der gleiche, die Routen sind ähnlich - aber irgendwie ein bisschen einfacher zu klettern. Für den Einstieg - um sich an diese Art des Kletterns zu gewöhnen - empfiehlt sich daher Neuhaus.

WILDERSWIL

Gleich neben Interlaken ist die Ortschaft Wilderswil. Auch hier gibt es einen Klettergarten, der dann zwar optisch nicht so viel hermacht wie Lehn, aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass alle Routen, die ich dort kletterte, sehr nice waren.

Das heißt, wieder technisch anspruchsvoll im Sinne von „Steigen, steigen, steigen!“ aber mit mehr Crimps. Die Routen in den Schwierigkeitsgraden meiner Ambitionen kamen mir dafür aber wirklich hart vor. Schwierige Einzelstellen sollten meiner Boulderfitness zwar zugute kommen - hier aber leider nicht. Nach vier Routen hier im Klettergarten Wilderswil, war ich dann auch schon platt genug - und zum Glück konnten wir vom Klettergarten auch gleich wieder zum Biwak marschieren - wir hatten uns nämlich für diesen Abend in Wilderswil einen Schlafplatz gesucht. Dazu aber gleich mehr.

LAMMI

Finally! Im letzten Klettergarten endlich die große Befriedigung für mich. Obwohl es sich hier um steile Ausdauer-Henkelschupferei handelt, fühlte ich mich hier am wohlsten: Pure Power, wenig technisch anspruchsvoll. Genau das Richtige für meinen Zustand. Klar - in den letzten paar Metern hatte ich auch hier keine Chance mehr (Danke Laktat!), aber immerhin ein paar Meter konnte ich schnell dem Pump vorweg klettern.

Das Gebiet liegt in einem Wald und ist komplett nordseitig ausgerichtet, das heißt: Ideal für warme Tage! Dass es „draußen“ (in der Sonne) 34 Grad hatte, hat man in dem Schatten gar nicht gemerkt und auch bei Regen sollte Lammi sehr lange trocken bleiben.

Kleine Routenbeta: Die Touren am Anfang des Gebietes sehen zwar weniger gut aus als im mittleren Teil des Klettergartens: ABER sie klettern sich fast schöner und vielseitiger.

SCHLAFEN

Wie überall in der Schweiz, ist es nicht erlaubt, zu biwakieren.

Ein Auto irgendwo parken, ist an einzelnen Stellen möglich - und gerne hätte ich euch unseren Platz verraten - aber: Da auch wir einen gewaltigen Anschnauz bekamen, möchte ich das nun weglassen.

Aufmerksame LeserInnen sollten aber einen Hint im Text gefunden haben.

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