Klettersommer 2021

Training: Faktor Zeit
20. März 2021

Ich hab hier drei Gebiet für euch - schon letztes Jahr - ausgecheckt. ;-)

Es war Sommer 2020. Es waren Ferien. Es war heiß. Abscheulich heiß. Es war Corona.
Wir waren verzweifelt, wollten Klettern. Wussten nicht wohin.

Sommer 2021.
Wie wird er wohl werden?
Heiß? Man weiß es noch nicht. Corona? Sicherlich ein Thema. Und Ferien: Auf jeden Fall!
Und wohin: Das weiß ich heute zum Glück schon

Der Sommerurlaub steht ins Haus und bei den hohen Temperaturen fragen sich bestimmt noch viele, was man am besten unternehmen kann, um wenigstens ein bisschen gediegenere Temperaturen vorzufinden. Urlaub in der Hemisphäre, die Winter verspricht, ist heuer nicht möglich, die Rocklands oder Australien-Pläne dazu wurden schon lange über Bord geworfen. Den Sommer in Europa zu verbringen, ist für die meisten die wohl wahrscheinlichste Form des Urlaubs.


Wir waren bereits letztes Jahr mit derselben Frage konfrontiert und haben darum unseren Sommerurlaub kurzerhand in der Schweiz verbracht. Während das viele andere auch so gemacht hatten – vor allem Boulderer – hatten wir im Gegensatz zu Gebieten wie am Sustenpass, Gotthard, Magic Wood usw… als Seilkletterer nicht mit krassen Menschenansammlungen zu „kämpfen“ gehabt. Frau weiß halt, wie es richtig geht!


Hier drei Vorschläge für euch, die mit hoher Wahrscheinlichkeit realisierbar sind:



1. Gastlosen


Die Gastlosen sind eine beindruckende Gebirgskette in der Grenzregion der Schweizer Kantone Freiburg, Bern und Waadt. Wir haben uns der steinernen Schönheit von Seiten La Gruyer genähert, holten uns im Supermark noch schnell die gleichnamige Käsedelikatesse, waren mächtig stolz darauf, und sind dann weiter Richtung Jaunpass gefahren, um die Nordseite der Gastlosen zu beklettern.
Hier scheint die Sonne im Sommer ab 15 Uhr, jedoch finden sich auch die ein oder anderen Routen, die dank Felsausrichtung auch länger im Schatten bleiben.

Fels

Der Fels ist genial! Imposante Kalktürme mit Löchern, Leisten und technischem Wandklettern. Letzteres war höchst anspruchsvoll und so war ich doch von der Härte der Bewertung überrascht, man könnte sagen: Von meiner Kletterleistung schockiert! Onsight-Grade, die man ausbouldern musste, um noch immer keine Schnitte zu haben, das war dann schon mal ne Ansage.
Aber man nimmt was man bekommt und das Klettern ist ja deswegen nicht schlechter gewesen.
Auf der Nordseite gibt es neun Sektoren, mit vielen verschiedenen Routen-Styles. Mal bouldrig und kurz, mal ausdauernd, mal Plaisier-Mehrseilrouten und auch alpine Klassiker sind hier zu finden. Für diese besorgt man sich dann aber besser den Gastlosen Kletterführer von L.-H. Clément, P. Gobet und C. Philipona im Edigast Verlag oder einen anderen. In unserem Führer (extrem West – Fidor Verlag) war lediglich eine exquisite Auswahl an Routen zu finden, die aber mehr als genügend Möglichkeiten abbildeten.

Zustieg

Der Zustieg ist lang und zum Schluss hin steil bergauf. Vom Parkplatz „Sattel“ geht’s in circa einstündigem Marsch nach oben. Der Weg ist relativ logisch zu finden, man kann sich aber trotzdem verlaufen, gibt man nicht acht. Vom Sattel geht man zuerst einer breiten Forststraße entlang aufwärts, bis nach gut 30 Minuten ein kleiner Weg links in den Wald abzweigt. Diesem dann, erst abwärts, bald steil nach oben, folgen bis zur Wand.

Schlafen

Wie immer die große Frage in der Schweiz: Wo schlafen? Außertourliches Campieren im Van ist nur schlecht möglich. Überall wird man mit Hinweisschildern an das Übernachtungsverbot in dieser touristischen Gegend erinnert. An der Liftstation in Jaun gibt es die Möglichkeit gegen Aufpreis zu nächtigen. Wir haben uns dagegen entschieden, weil es uns doch ein bisschen zu unromantisch war, und irgendwo wurde dann doch eine legale Parkiernische gefunden. Diese möchte ich hier jedoch nicht verraten, einerseits: Weil ich nicht mehr weiß, wo sie lag, andererseits, weil sie doch ziemlich weit entfernt von der Wand lag und daher nicht empfehlenswert ist. Campingplätze gibt es natürlich auch zur Wahl, zum Beispiel am Jaunpass. Hier besser reservieren, da er sehr voll ist in der Hauptsaison. Schlafen muss man also ein bisschen organisieren, bevor man hierherkommt.

2. Cheselenfluh



Ganz begeistert von unserem Schweiz-Glücksgriff an den Gastlosen haben wir Ende August nochmal unsere 7 Klettersachen gepackt und sind an die Cheselenfluh im Melkthal gefahren. Eine Wand, die laut Topo mit vielen Plaisierrouten auf die KletterInnen wartet. Und genauso kommt es dann auch. Zusätzlich soll irgendwo am rechten Wandteil ein kleines Sportklettergebiet, daran waren wir allerdings nicht interessiert und so haben wir es auch nicht gefunden (und auch nicht gesucht).

Kletterei

Insgesamt 10 Mehrseilrouten finden sich an der Kalkwand von 6a bis 7a. Die Ausrichtung ist südöstlich und eignet sich daher nicht für super heiße Tage. Wir waren Ende August dort und hatten fast schon ein bisschen mit Kälte zu kämpfen, deshalb ist der Beitrag auch hier dabei.
Stil kann man nicht so richtig beschreiben, denn von tollen Wandklettereien, bis hin zu steilem Hänkelschupfen im 6b-Bereich findet sich alles im gediegenen Schwierigkeitsgrad. Die Routen sind super gut abgesichert und so eignet sich die Cheselenfluh bestimmt auch für Einsteiger ins Mehrseilklettern.
Lediglich beim steilen Sektor ist etwas Mut gefragt. Nicht nur, weil die Kletterei sehr athletisch ist, sondern vor allem weil hier Kreativität beim Einrichten der Abseilpiste am Werk war. Ein fixierter Seilsalat hilft den Ausgetopten dabei, an der Wand zu bleiben, um die nächste Abseilstelle zu erreichen. Fehler sollten hier besser nicht passieren, sonst hängt man dann plötzlich da, mit viel Luft unterm A…

Zustieg

Die Wand ist schon von weit unten gut sichtbar, jedoch fand ich es nicht ganz klar, an welchem Teil der Wand geklettert werden soll. Erschwert wurde die Wegfindung dadurch, da man sich entscheiden muss: Laufe ich von unten bis zur Wand, oder fahre ich mit dem Auto die gebührenpflichtige Mautstraße hoch, die auch nur zu gewissen Zeiten passierbar ist? Und wenn ja, wo parke ich dann?
Wir haben alles gemacht: Von unten der Straße nach gelaufen, nach ganz oben gefahren und von dort gelaufen und am dritten Tag wieder von unten, dem rechten Wanderweg folgend, ganz vernünftig – am beschriebenen Kletterer-Parkplatz – vorbei, zur Wand gelaufen. Aller guten Dinge sind 3!

Schlafen

Schlafen kann man direkt vor der Mautstelle an der Seilbahnstation. Klingt jetzt vielleicht nicht ganz perfekt, aber wir haben es uns dort wirklich fein eingerichtet (auf diesem Betonplatz), haben uns über frisches Wasser und sehr saubere Toiletten gefreut, waren fast die einzigen, die genächtigt haben und die Kosten waren total fair.
Insgesamt sehr empfehlenswert und ich warte auf das Revival an der Cheselenfluh.

3. Bockmattli


Quasi um die Ecke und trotzdem die Premiere für mich; die Wand des Bockmattli. Seit letztem Jahr weiß ich, was ich verpasst habe, denn dieses Gem ist wirklich jeden Klettermeter wert!


Herausgesucht hatten wir uns die Route „Himmelskante“ (7b), weil sie super eingebohrt war und das fürs erste Beschnuppern der Wand als vorteilhaft galt (für uns). Die Schwierigkeit ergab sich aus einem Steilen kleinen Dachboulder, der aber gut lösbar war. Die oberen Seillängen fand ich wiedermal sehr technisch anspruchsvoll – und dass, obwohl ich das Gefühl hatte, dieses Jahr nichts anderes als technisch anspruchsvolle Routen geklettert zu sein. Aber ja…

Kletterei

Die nördlich ausgerichtete Kalkwand schreit förmlich nach Sommerklettern. Wir starteten mit 25 Grad beim Auto – froren in der Wand – und endeten bei 30 Grad wieder beim Auto. Viele Routen in allen Graden und Styles finden sich am Bockmattli. Den Klassiker „Supertramp“ anno 1980 von Martin Scheel und Gregor Benisowitsch eingebohrt, kennt man (vom hören sagen) und gilt als Meilenstein in der alpinen Sportklettergeschichte. Von guten, aber auch "historisch" abgesicherten Routen in den Graden 5c bis 7c+ ist hier sicherlich für jeden was dabei.

Zustieg

Vom Parkplatz geht es in etwas mehr als einer Stunde hoch zur Wand. Der Weg ist leicht findbar, hat man mal den richtigen Parkplatz gewählt und gemütlich, obwohl es aufwärts geht ;-) Die Wand ist gleich sichtbar und eine Orientierung ist auch nicht schwer.

Schlafen

Im Bockmattlihüttli unterhalb der Wand kann man sich gegen Reservierung am Wochenende einquartieren, bewirtet wird sie dann auch. Wer dort übernachtet, muss sich seinen eigenen Abendproviant mitbringen. Ansonsten kann man unten am See bei einem der vielen Wirtshäuser einkehren. Auch eine Option, wer nichts gegen Fußmärsche hat. Am See unten im Tal besteht Nächtigungsverbot.

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